Erlangen gewinnt ETC 2016

Saarlouis erst im Siebenmeter-Werfen geschlagen – Stark dezimierte HGS wurde „Turniersieger der Herzen“

 

Merzig. Erstliga-Aufsteiger HC Erlangen hat den Ernst-Thiel-Hummel-Cup 2016 gewonnen, „Turniersieger der Herzen“ aber war eindeutig Zweitligist HG Saarlouis. Mit quasi dem „letzten personellen Aufgebot“ spielte das Team von Jörg Bohrmann ein irren Sonntag, siegte im Halbfinale gegen Zweitliga-Top-Favorit Friesenheim 26:22 und musste sich dem Neu-Erstligisten aus Erlangen erst im Siebenmeter-Werfen geschlagen geben. Veranstalter Ralf-Michael Zapp war so angetan von der Leistung der HGS, dass er die Siegprämie für den zweiten Platz kurzerhand erhöhte.

„Wir sind sehr zufrieden mit diesem Wochenende und einen weiteren Schritt voran gekommen.“, bilanzierte der engagierte Coach Jörg Bohrmann, der an diesem Sonntag eine Leistung aus seinem Team herausgekitzelt hat, die so niemand wirklich erwarten konnte. Und das, obwohl ihm für den Finaltag nur noch eine Rest-Truppe zur Verfügung stand.

Jerome Müller und Lars Weissgerber holten zur Merziger Finalzeit in Dänemark den Vize-Europa-Meistertitel und fehlten logischerweise beim Ernst-Thiel-Cup. Schon am Freitag hatten sich im Training Darius Jonczyk und Yann Polydore Blessuren zugezogen, die einen Einsatz im Turnier nicht zuließen. Hinzu kam dann auch noch Peter Walz, der sich am Samstag eine Bauchmuskelzerrung zuzog. Also ging es „ohne Fünf“ ins Halbfinale gegen die Eulen aus Friesenheim. Die hatten am Samstag Gastgeber Merzig und Minden weggeputzt und sich dabei sehr stark präsentiert.

Stark gegen Friesenheim

Doch am Sonntagmorgen hatten sie Probleme mit einer aggressiven und beweglichen HGS-Abwehr. Die hingegen waren auch in der Offensive schon hellwach und legten schnell eine 6:2-Führung aufs Parkett. Ganze 20 Minuten brauchten Grimm und Co. um beim 11:11 durch Falk erstmals den Ausgleich zu erzielen. Wieder operierte Eulen-Coach Ben Matschke oft mit dem siebten Feldspieler, das Pat Schulz und Michael Schulz mehrfach zu einfachen Toren ausnutzten. So behaupteten die Saarländer im Zweitliga-Duell bis zur 37. Minute (19:18) eine knappe Führung. Ein einziges Mal übernahm die TSG in Minute 38 beim 20:19 die Führung, die Saarlouis aber postwendend wieder in eine eigene Führung ummünzte. Kreisläufer Michael Schulz, der am Sonntag beide Turnierspiele durchspielen musste, zeigte eine überzeugende Leistung und er war es auch, der mit dem 23:20 eine Viertelstunde vor Schluss das Finale einleitete. Als am Ende der andere Schulz im Kasten einen Dippe-Siebenmeter entschärfte war die Überraschung perfekt: Saarlouis war im Finale.

Tore HGS: Faulenbach 7, Engels 6/1, Meoki 4, Michael Schulz 4, Murawski 2, Leist 2, Pat Schulz 1

 

Weil im zweiten Halbfinale und Erstliga-Duell der HC Erlangen GWD Minden schlagen konnte, waren die Partien um Platz 3 und Platz 1 „Wiederholungen vom Vortag“, aber mit anderen Ergebnissen. Minden holte Platz 3 mit einem späten 30:28 gegen Friesenheim und Erlangen traf im Finale auf eine „wehrhaftere“ HGS als am Vortag, als der Erstligist noch mit 30:21 gewonnen hatte.

Packendes Finale

Die HGS-Defensive packte anders zu, als am Vortag. So brauchte der Erstligist für seine ersten drei Tore jeweils einen Siebenmeter, während die HGS aus dem Spiel heraus traf und nach 17 Minuten mit 5:3 die Nase vorne hatte. In der 19. Minute gelang dem HCE dann schließlich beim 4:5 doch der erste Treffer aus dem Spiel. Doch der Zweitligist ließ sich nicht hängen, im Gegenteil: auch eine 6:4-Überzahl ließ den HCE nicht wirklich näher kommen, so dass beim Stand von 11:8 die Seiten gewechselt wurden. Kurze Zeit davor war der nächste Saarlouiser Ausfall zu beklagen: Marcel Engels Knie zeigte Überlastungs-Erscheinungen, er konnte nicht mehr spielen.

Doch je weniger sie wurden, um so stärker agierten sie auf der Platte. Die Mannschaft, jetzt mal nur noch mit zwei gelernten Rückraumspielern, verteilte die Rollen neu, PhilippKessler wechselte in den Rückraum, phasenweise spielten die Aussen Leist und Murawski ebenfalls auf diesen Positionen. Und es lief weiter gut. Auch nach 40 Minuten hielt der Drei-Tore-Vorsprung der HG (15:12). Nun reduzierten die Schiedsrichter die Spielerliste der HGS weiter, schickten Philipp Kessler mit der dritten Zwei-Minuten-Strafe vom Feld. Das waren es noch sechs Feldspieler und zwei Torleute, die Jörg Bohrmann übrig blieben. Wechseln ausgeschlossen. Inzwischen war die ganze gut gefüllte Halle auf Seiten der Saarlouiser. Und die kämpften weiter, rackerten unermüdlich und behaupteten ihren Vorsprung bis in die Schlussminute (22:20). Der neunte Siebenmeter für Erlangen und ein schneller Gegenstoß sorgten für den Ausgleich zehn Sekunden vor der Schluss-Sirene.

Entscheidung im Siebenmeter-Schießen: Und da hatte der Erstligist schließlich die Nase vorne, weil für Saarlouis nur Jonas Faulenbach traf….

Tore HGS: Faulenbach 7/1, Meoki 3, Engels 3, Murawski 3, Leist 3, Michael Schulz 2, Kessler 2