26. Oktober 2011

Handballfest trotz Pokal-Aus

Von: Peter Wagner

Füchse wurden der Favoritenrolle gerecht - HGS-Angriff trifft gegen Heinevetter und Stochl 28 mal

Saarlouis. Es war das erwartete Handball-Fest, das die 2000 Fans am Dienstagabend in der restlos ausverkauften Stadtgartenhalle in Saarlouis erlebten. Und es war das eigentlich erwartete Ergebnis mit dem 28:39 (12:18)-Erfolg des Championsleague-Teilnehmers aus der Hauptstadt. "Standesgemäß" sagt man dazu, wenn ein Top-Team aus der Toyota-Handball-Bundesliga gegen eine Mittelfeld-Mannschaft der 2. Liga antritt. Am Anfang zu viel Respekt auf der einen Seite, am Ende die Cleverness und Klasse der Einzelspieler auf der anderen Seite - das machte den Unterschied. Aber die Saarländer können das Pokal-Abenteuer dieses Jahres mit erhobenem Haupt beenden. Gegen zwei National-Torhüter (Heinevetter und Stochl) 28 Treffer zu erzielen, das kann sich durchaus sehen lassen.

Wie schon gesagt: Am Anfang merkte man dem doppelten Dani(j)el (Fontaine und Grgic) und ihren Kollegen den Respekt vor Namen wie Heinevetter, Christophersen und Iker Romero deutlich an. Schnell legte der Erstligist ein 1:6 (6.) auf die Platte, bevor die Saarländer so langsam den Respekt ablegten. Nach zwölf Minuten waren die Gastgeber, die während der gesamten Spielzeit von ihren Fans angefeuert wurden, beim 5:7 wieder in Schlagdistanz. Doch die Füchse hatten alles unter Kontrolle, bestraften die Fehler der HGS im Angriff gnadenlos und erzielten so schnelle und einfache Gegenstoß-Tore. Junioren-Nationalspieler Johannes Sellin erzielte auf diesem Weg alle seine fünf Treffer. Und wenn die Saarländer zum Abschluss kamen war da ja immer noch ein Silvio Heinevetter in Halbzeit 1. Er war oft schon genau da, wo der Ball der Saarländer aufs Gehäuse kam und leitete mehrfach noch auf dem Hosenboden sitzend mit einem langen Pass den Gegenstoß ein. So hieß es beim Pausenpfiff der souverän leitenden Schiedsrichter Behrens/Fasthoff 12:18.

Andre Gulbicki haderte während und nach der Partie ein wenig mit dem Rückzugsverhalten seiner Mannschaft, die so zu viele einfache Gegentore zugelassen habe.

Zu Beginn von Halbzeit 2. hatten die Gastgeber den Respekt fast ganz abgelegt, verkürzte  in vier Minuten wieder auf 15:20. Doch Berlin hatte jederzeit eine Antwort auf die Aktionen der Saarländer. Sei es eine Granate von Iker Romero, sei es eine harte und konsequente Deckung gegen die HGS-Angreifer. Für die Zuschauer aber entwickelte sich auch in der 2. Hälfte ein ansehnliches Spiel, auf das sich die Füchse offenbar akribisch trotz der geringen Vorbereitungszeit eingestellt hatte. Berlins isländischer Trainer Dagur Sigurdsson betonte nach dem Spiel, dass er seine Mannschaft genau so auf Saarlpios vorbereitet habe, wie auf ein Erstliga-Spiel. Der Favorit wollte unbedingt ins Achtelfinale und damit in Richtung Final4. Sie nahmen den Zweitligisten durchaus ernst. Und mit einem Augenzwinkern meinte Sigurdsson anschließend, Saarlouis könne besser spielen als an diesem Dienstag. Das habe er in verschiedenen Videos gesehen.

Beim 21:31 in der 48. Spielminute war es dann mit einem Zehn-Tore-Unterschied auch "standesgemäß" und eigentlich entschieden. Gulbicki nahm seine letzte Auszeit und rief sein Team zum Endspurt auf. Es gab noch schöne Tore zu sehen, aber am Unterschied zwischen Erst- und Zweitligist änderte sich nichts mehr.

Und trotzdem: am Ende feierten die 2000 in der Saarlouiser Stadtgartenhalle beide Mannschaft für ein gutes Handballspiel. Sie hatten dabei nicht nur eine gute Leistung ihrer Jungs gesehen, sondern auch Weltklasse-Handballer in der heimischen Halle live erleben dürfen. Und sie haben gesehen, dass das Team um Fontaine und Grgic, eben nicht nur aus diesen beiden besteht. So zeigte Kreisläufer Bartosz Janiszewski nach seine Verletzung sein bislang bestes Spiel im HGS-Trikot und auch Abwehrspezialist Lukasz Czertowicz durfte sich auch als Angreifer bewähren. Gulbicki hatte all seinen Spielern Einsatzzeit versprochen und dieses Versprechen auch gehalten. Einzig Philipp Leist, der am Morgen am Menisku operiert wurde, musste auf Krücken in die Halle kommen und zusehen. Aber vielleicht gibts für ihn ja nächstes Jahr wieder die Chance auf ein solches Hightlight-Spiel im DHB-Pokal.

Und noch eine gute Nachricht zum Abschluss: Keiner hat sich in dieser Partie verletzt und am Samstag ist dann wieder Pflicht angesagt, wenn Aufsteiger Leipzig zum Punktspiel in der Stadtgartenhalle antritt. "Und wenn wir da wieder besser spielen, dann werden wir auch die beiden Punkte behalten", fand Andre Gulbicki das passende Schlusswort.

Tore HGS:
  Fontaine 6, Januszewski 6, Lohrbach 4/1, Czertowicz 4, Dude 3, Julvecourt  3, Grgic 1/1, Holzner 1

Tore Füchse:
  Pevnov 7, Jaszka 6/5, Sellin 5,  Laen 3, Riechwien 3, Stenbäcken 3, Bult 3, Iker romero 3, Christopheren 2, Petersson 2, Löffler 2

Siebenmeter:
HGS 4/2, Füchse 5/5


Zeitstrafen in Minuten: HGS 2, Füchse 4

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