Erste Heimniederlage
Von: Peter WagnerLeipzig schleift die Festung und gewinnt in Saarlouis verdient 37:40 (20:22)
Saarlouis. "Hasenball" nannte es am Ende Leipzigs Coach Uwe Jungandreas, was die knapp 1500 Zuschauer am Samstagabend in der Stadtgartenhalle miterleben mussten. Die erste Heimniederlage in dieser Saison mit 37:40 (20:22) schmerzt, ist aber längst kein Beinbruch, wenngleich sich HG-Coach Andre Gulbicki beim Blick auf die Abwehrleistung seiner Mannschaft an die letzte Saison erinnert fühlte.
Und die Abwehrleistung der HG war letztendlich auch der Grund für die Niederlage. Das schnelle, bewegliche und sehr aggressive Spiel der Leipziger sowohl in der Abwehr, als auch im Angriff war an diesem Tag für die HGS einfach nicht in den Griff zu kriegen.
Aber der Reihe nach. Das Team um Daniel Fontaine und Dado Grgic begann stark, führt nach etwas mehr als 3 Minuten mit 4:1 und alle dachten: das fängt ja gut an. Falsch gedacht. Die Messestädter, erstmals in dieser Runde einen Tag früher zum Spiel angereist, hatten sich, wie Jungandreas später bestätigte, fest vorgenommen, im Saarland etwas Zählbares zu holen. Und mit diesem Quäntchen mehr an Willen, kämpften sie sich ins Spiel, glichen in der 6. Minute zum 4:4 aus und schon da wurde deutlich, dass es eine torreiche Partie werden könnte.
Bis zur 13. Minute (10:10) war die Partie ausgeglichen. Das "Hasenspiel" hatte begonnen. Saarlouis legte vor, Leipzig zog postwendend nach.
Nach einer Viertelstunde gingen die Gäste beim 10:11 durch Baumgärtel erstmals in Führung und sollten sie bis zum Ende nicht mehr abgeben.
Der Truppe von Andre Gulbicki merkte man in der Folge an, dass die zurückliegenden Tage, beginnend mit dem Auswärtssieg in Bietigheim und der Pokalpartie gegen die Füchse letzten Dienstag an die Substanz gegangen waren. Hinzu kamen die Krankheiten und kleineren Verletzungen, die es nicht zugelassen hatten, eine ordentliche Vorbereitung auf diese Partie zu absolvieren. Als Entschuldigung oder Ausrede wollte das Gulbicki aber nicht ins Feld führen.
Bis zur Pause hielten die Gastgeber noch den Anschluss. Bei 20:22 wurden die Seiten gewechselt. Es folgten die vorentscheidenden vier Minuten. Leipzig kam hellwach aus der Kabine, machte nahtlos dort weiter, wo sie kurz zuvor aufgehört hatten, während Saarlouis in dieser Phase völlig neben sich stand. Andre Gulbicki zog die Notbremse in Form einer äußerst frühen 2. Auszeit. Danach stabilisierte sich das Spiel der Saarländer ein wenig. Und nach 43. Minuten waren sie beim 26:28 auch wieder in Schlagdistanz. Jetzt nahm Trainerfuchs Uwe Jungandreas die Auszeit, nahm den Saarländern damit den Aufwind aus den Segeln. Das Spiel wogte auch weiterhin schnell hin und her, die Treffer fielen auf beiden Seiten wie reife Früchte. Saarlouis kämpfte, Leipzig kämpfte.
Auf der Uhr waren noch mehr als sieben Minuten zu spielen, als Andre Lohrbach mit seinem ersten Tor zum 32:33-Anschluss traf. Die HG-Fans in der Halle witterten nochmals einen Hoffnungsschimmer. Till Riehn erhöht auf 32:34, Otto Fetser schafft den erneuten Anschluss 33:34. Die Partie drohte zu kippen, aber die Messestädter behielten die Nerven und Saarlouis fehlte die Kraft.
Die Entscheidung dann in den letzten viereinhalb Minuten. Der starke Merten Krings trifft zum 35:36. Weiter alles drin. Aber wie gesagt, bei Saarlouis fehlte die Kraft und jetzt auch die Konzentration, man schenkt den Ausgleichsball durch einen dummen Abspielfehler her, und Leipzigs Bester, Eric Jacob hämmert das Leder zum 35:37 in die Maschen. Davon erholen sich die Saarländer nicht mehr. Zwar fallen noch Tore, an der ersten Heimniederlage dieser Saison ändern sie aber nichts mehr.
Andre Gulbicki drückt seine Enttäuschung über diese Niederlage schnell weg, gratuliert den Gästen zum Erfolg und ist mit den Gedanken schon eine Woche weiter: "Ich werde das Spiel morgen analysieren und nächste Woche in Korschenbroich werden wir es besser machen." Uwe Jungandreas ("...ein bißchen mit Glück, aber verdient 3 Tore mehr geworfen...") freut sich einfach nur. Die Heimreise der Sachsen, die mit Saarlouis ihre weiteste Auswärtsfahrt hinter sich gebracht haben, dürfte übeer die 600 Kilometer mit zwei Punkten im Gepäck sicherlich etwas angenehmer sein.
Tore HGS: Fontaine 9, Krings 7, Grgic 7/4, Dude 4, Fetser 3, Holzner 2, Julvecourt 2, Lohrbach 2, Janiszewski 1
Tore Leipzig: Streitenberger 11/8, Jacob 8, Baumgärtel 7, Boese 5, Seitle 3, Oehlrich 3, Riehn 2, Dietzmann 1
Zeitstrafen in Minuten: HGS 10, Leipzig 12
rote Karte: Oehlrich
Siebenmeter: HGS 4/4, Leipzig 8/8
Schiedsrichter: Moles/Pittner


















